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Goldkursentwicklung 1944 bis 2014

Mit dem letzten Jahr des 2. Weltkriegs als Startpunkt lässt sich die Goldkursentwicklung der letzten sieben Jahrzehnte grob in fünf Phasen einteilen: die Zeit des Gold-Dollar-Standard von 1944 bis 1971, den Bullenmarkt der 70er Jahre, den Bärenmarkt der 80er und 90er Jahre, den Bullenmarkt der 2000er Jahre und eine noch nicht klar identifizierbare letzte Phase nach dem Allzeithoch im September 2011, die bis heute andauert. CoinInvest stellt Ihnen diese Abschnitte der Goldkursentwicklung im Einzelnen vor.

Goldkursentwicklung: der Gold-Dollar-Standard von 1944 bis 1971

Im Jahr 1971 kündigte der US-Präsident Richard Nixon einseitig die Konvertierbarkeit von US-Dollar und Gold und leitete damit das Ende des globalen Finanzsystems der Nachkriegszeit ein, das als Bretton-Woods-System in die Geschichte eingegangen ist. In diesem 1944 etablierten System waren Währungen wie die D-Mark an den US-Dollar gebunden und dieser war – zumindest in der Theorie – durch Gold gedeckt.

Zentralbanken, die Dollarreserven hielten, konnten diese Reserven in Gold umtauschen. Der Wert einer Feinunze Gold war dabei auf 35 Dollar festgesetzt. Eine vom Markt bestimmte Goldkursentwicklung, wie wir sie heute kennen, gab es damals also faktisch nicht. Das Edelmetall war fester Bestandteil des globalen monetären Systems, es war aber gerade deshalb kein freies Investitionsgut, das jedermann ungehindert kaufen und verkaufen konnte. Tatsächlich war zum Beispiel US-Amerikanern der Goldbesitz bis in das Jahr 1974 gesetzlich untersagt – auch wenn dieses Goldverbot, wie alle anderen Goldverbote der Geschichte, zwar Goldschmuggel und Schwarzhandel förderte und die inoffiziellen Preise in die höhe trieb, nicht jedoch Goldbesitz effektiv zu unterbinden vermochte.

Die Golddeckung des US-Dollars erwies sich in den 60er Jahren zunehmend als Fiktion. Hohe Staatsausgaben, nicht zuletzt durch den Vietnamkrieg verursacht, zwangen die US-Notenbank, mehr und mehr Geld zu drucken, für das zum festgesetzten Umtauschkurs von 35 Dollar kein Gegenwert in Gold existierte. Faktisch, wenn auch noch nicht formal, war der US-Dollar damit zu einer Fiat-Währung geworden.

Goldkursentwicklung: der Bullenmarkt der 70er Jahre

Präsident Nixon zog im Jahr 1971 schließlich die Konsequenz, kündigte die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold einseitig auf und leitete damit eine neue Phase in der Goldkursentwicklung ein: den rasanten Bullenmarkt der 70er Jahre.

In diesem von hohen Inflationsraten, einem stagnierenden Wirtschaftswachstum, teilweise negativen Anleiheverzinsungen und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Jahrzehnt wurde Gold für zahlreiche Privatanleger zu einem stark nachgefragten Investment und Mittel des Inflationsschutzes. Die hohen Auflagezahlen der seit 1967 geprägten Goldmünze Krügerrand zeugen noch heute von der großen Popularität, an der sich Gold während der 70er Jahre in relativ breiten Bevölkerungsschichten erfreute – nicht zu unrecht:

Der erste Londoner Goldkurs des Jahres 1971 hatte bei 37,33 Dollar gelegen. Als der Bullenmarkt am 21 .Januar 1980 sein Hoch von 850 Dollar erreichte, betrug die Performance der neunjährigen Goldkursentwicklung 2176,99 Prozent. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von sagenhaften 41,54 Prozent. Es waren in der Tat goldene Jahre.

Goldkursentwicklung: der Bärenmarkt der 80er und 90er Jahre

Das Ende des Bullenmarktes im Januar 1980 markierte den Beginn einer etwa zwei Jahrzehnte andauernden Phase der abwärts und später dann eher seitwärts gerichteter Goldkursentwicklung. Die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation in den USA, hohe Realverzinsungen für Anleihen und schließlich auch die haussierenden Aktienmärkte machten ein Investment in Gold aus Sicht vieler Anleger wenig attraktiv.

Vor dem Hintergrund des Bärenmarktes ist es durchaus erstaunlich, dass in den 80er und 90er Jahren zahlreiche neue Anlagemünzen aus Gold erschienen und auch gekauft wurden. Bereits 1979 hatte sich der Maple Leaf aus Kanada zum damals praktisch konkurrenzlosen Krügerrand gesellt. 1981 folgte der Libertad aus Mexiko, 1982 der China Panda, 1986 der American Eagle aus den USA und das Nugget (heute Känguru) aus Australien. 1989 erschien der österreichische Wiener Philharmoniker und 1996 schließlich die erste Serie der heute so populären australischen Lunar-Münzen.

Um die Jahrtausendwende war das Edelmetall in Anlegerkreisen dann allerdings praktisch tot. Reale Werte wie Gold und Silber galten nichts mehr, während den luftigen Verheißungen der Biotech- und Internet-Aktien des neuen Marktes mit Hingabe geglaubt wurde – bis im Jahr 2000 das jähe Erwachen einsetzte und der große Bullenmarkt der Aktien vorüber war. Aus so manchem “Buchmillionär“ wurde damals schnell wieder ein gewöhnlicher Einkommensbezieher.

Die Privatanleger waren mit ihrem Desinteresse an Gold und ihrer Fehleinschätzung der bevorstehenden Goldkursentwicklung allerdings nicht allein. Dem Verkauf großer Teile der britischen Goldreserven zu Tiefstpreisen durch den damaligen Schatzkanzler Gordon Brown verdankt der Boden der Goldkursentwicklung in diesen Jahren den humoristischen Beinamen „Brown Bottom“.

Goldkursentwicklung: der Bullenmarkt der 2000er Jahre

Nur wenige antizyklisch denkende Investoren waren in der letzten Schwächephase des langen Bärenmarktes bereit, in das gelbe Edelmetall zu investieren. Wer zu dieser weitsichtigen Minderheit gehörte, konnte sich im nun einsetzenden Bullenmarkt der 2000er Jahre an kontinuierlichen Wertsteigerungen seiner Geldanlage erfreuen. Unterstützt wurde die bullische Goldkursentwicklung ab 2004 von den damals neuen Gold-ETFs oder Goldfonds. Diese ETFs ermöglichten es den Anlegern, erstmals Gold an der Börse zu handeln, ohne dabei auf riskante Instrumente wie Futures zurückzugreifen.

Während der Finanzkrise 2008 geriet Gold zwischenzeitlich in einen Abwärtssog, der im Zuge einer allgemeinen Panikwelle alle Märkte erfasste. In diesem Jahr verbilligte sich Gold von etwa 1.000 Dollar auf unter 740 Dollar. Das war jedoch nur der Startpunkt für die letzte Phase des Bullenmarkts. In den folgenden Jahren wurde Gold gemeinsam mit Silber zum regelrechten Liebling der Anleger. Die Geldpolitik der quantitativen Lockerung (Ankäufe von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren) durch die US-amerikanische Fed schürte Inflationsängste und ließen die Goldkursentwicklung im September 2011 bis auf das Allzeithoch von 1.896,50 Dollar ansteigen. Die Gesamtperformance des Bullenmarktes seit dem Jahrestief 2001 bei 255,95 Dollar belief sich auf 640 Prozent oder 22,17 Prozent pro Jahr.

Goldkursentwicklung seit 2011: Ausgang ungewiss

Als sich weder die Inflationsängste bewahrheiteten, noch das Finanzsystem einfach kollabierte, wie nach 2008 vielfach befürchtet wurde, entschlossen sich hochkapitalisierte Goldanleger dazu, Kasse zu machen. Die ETFs, bis vor kurzem noch ein wichtiger Motor der immer höher strebenden Goldkursentwicklung, wurde nun zum Katalysator für fallende Goldpreise. Positionen in große Fonds wie dem SPDR Gold Trust wurden in Massen liquidiert und sorgten insbesondere 2013 für fallende stark fallende Goldpreise. Aggressive Shorts an den Futures-Märkten wie der COMEX taten ein Übriges. 2013 wurde für Gold das Jahr mit der schlechtesten Performance seit 1980.

Anders als von vielen Analysten befürchtet, wurde die kritische Marke von 1.000 Dollar aber noch nicht einmal annähernd gefährdet. Einer der Gründe dafür, dass die Goldkursentwicklung bei knapp 1.200 Dollar zum Halten kam und diese Marke bisher nicht unterschritten wurde, dürfte die immens hohe physische Nachfrage nach Gold in China sein. Auch ist heute ein Abverkauf von spekulativen ETF-Positionen wie 2013 unwahrscheinlich. Wer den Markt verlassen wollte hat dies vermutlich längst getan. Ob sich die Goldkurse mittelfristig wieder den Höchstpreisen von etwa 1.900 Dollar annähern oder diese sogar übertreffen können, gilt unter Experten als umstritten.

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