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Goldpreis – wichtige Fakten, verständlich erklärt

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Wo und wie entsteht der Goldpreis? Auf welche Menge Gold bezieht er sich genau? Was ist „Papiergold“ und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Goldpreis und Zinsen? CoinInvest hat die Antworten auf diese und weitere Fragen.

Goldpreis in London

Der Goldpreis wird zweimal pro Tag am London Bullion Market festgesetzt. Diese auch als London Gold Fixing bekannte Preisfestlegung wird durch fünf internationale Großbanken vorgenommen, darunter die Deutsche Bank.

Das Gold Fixing findet in US-Dollar statt. Zusätzlich wird ein Goldpreis in Euro und ein Goldpreis in Britischen Pfund notiert. Dabei handelt es sich jedoch um keine eigenständigen Preisfestsetzungen, sondern lediglich um einen errechneten Goldpreis, der sich aus den aktuellen Wechselkursen der beiden Währungen zum US-Dollar ergibt.

Der Goldpreis bezieht sich in London und an allen Handelsorten weltweit immer auf exakt auf 31,1034768 Gramm Gold. Dieses Gewicht wird im Deutschen auch als Feinunze und international als „troy ounce“ bezeichnet und gewöhnlich mit „oz“, „oz t“ oder „oz tr“ abgekürzt. Angaben wie „Goldpreis pro Gramm“ oder „Goldpreis pro Kilo“ dienen lediglich als Service für Endkunden, die 1g-Goldbarren oder 1kg-Goldbarren kaufen möchten.

Das typische Gewicht für Goldbarren im Londoner Handel liegt bei 400 oz oder 12,4 kg. Bei einem Goldpreis von 1.000 US-Dollar repräsentiert ein solcher London Good Delivery Goldbarren bereits 400.000 Dollar, also einen beträchtlichen Vermögenswert.

COMEX Goldpreis

Neben dem Londoner Goldpreis werden (fast) rund um die Uhr Goldpreise an den großen Warenbörsen auf der ganzen Welt im fortlaufenden Handel ermittelt. Das stetig wechselnde Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt den Goldkurs beziehungsweise die Kursentwicklung im Tagesverlauf. Die wichtigste Warenbörse für Gold ist die COMEX (Commodity Exchange) die wiederum zu NYMEX (New York Mercantile Exchange) gehört.

An der COMEX wird Gold in Form von Spot-Kontrakten mit Lieferung binnen zwei Tagen und Futures-Kontrakten mit Lieferung zu einem festgesetzten Zeitpunkt in der Zukunft gehandelt. In der Praxis wird jedoch nur ein kleiner Bruchteil der als Future gehandelten Goldbarren auch tatsächlich ausgeliefert.

Der Großteil des Handels dient der Spekulation auf die Goldpreisentwicklung. Es wird also wesentlich mehr „Papiergold“ gehandelt, als physisches Gold vorhanden ist. Manche Kritiker beklagen, dass der Goldpreis durch dieses Phänomen nicht das tatsächliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage widerspiegelt und erheben Manipulationsvorwürfe.

Tatsache ist: „Papiergold“ in Form von Gold-Futures kann den Preis tatsächlich kurz- bis mittelfristig verzerren: Auf lange Sicht hat sich der Goldpreis jedoch immer wieder den realen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage angepasst.

Preise für Goldbarren und Goldmünzen

Beim Kauf von Goldmünzen und Goldbarren müssen Sie auf den aktuellen Goldpreis einen Aufschlag zahlen, ein sogenanntes „Agio“, das sich im Wesentlichen aus den Kosten für Lagerung, Lieferung und die Herstellung der Barren und Münzen zusammensetzt. Dank steuerlicher Sonderbehandlung können Sie Gold in der EU mehrwertsteuerfrei erwerben und müssen im Verkaufsfall nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist keinerlei Steuern zahlen.

Diesen Vorteil von physischem Gold sollten Sie beim Vergleich mit den zu erwartenden Gewinnen am Aktienmarkt (25% Abgeltungssteuer unabhängig von der Haltefrist) immer in Rechnung stellen.

Schwierigkeit historischer Goldpreisbestimmung

Gold als ein frei handelbares Gut ohne Geldfunktion gibt es erst seit dem Jahr 1971, als die Goldpreisbindung des Dollars durch US-Präsident Richard Nixon aufgehoben wurde. Im vorangegangenen Bretton-Woods-System ab 1944 gab es zwar einen „Goldpreis“: Er betrug exakt 35 Dollar.

Es wäre jedoch korrekter zu sagen, der Wert von 35 US-Dollar betrug eine Feinunze Gold, da sich die Legitimation der amerikanischen Währung explizit auf die Golddeckung aller in Umlauf befindlichen Dollars bezog und auch die Einlösungsverpflichtung galt. Gold und nicht US-Dollar war also die anerkannte letztendliche Referenz für Wert.

Im frühen 20. Jahrhundert und in den vorangegangenen Jahrhunderten bis zurück in die Zeit der griechisch-römischen Antike war hingegen der Gebrauch von Kurantmünzen die Norm. Dies sind Münzen aus Gold (oder auch Silber) deren Wert sich unmittelbar aus dem enthaltenen Edelmetallgewicht ergibt. Es ist nicht möglich einen Goldpreis in einer Goldwährung anzugeben, ebenso wenig wie es möglich ist, den Preis des Euro in Euro oder den Preis des Dollar in Dollar zu nennen.

Manche Wirtschaftshistoriker und Journalisten haben versucht, eine langfristige Entwicklung des Goldwerts über die Jahrhunderte an Warenkörben festzumachen. Die leitende Frage dabei ist: Welche Waren kann man zu einem gegebenen Zeitpunkt mit einer eine bestimmte Menge Gold kaufen?

Die Unterschiedlichkeit der Warenkörbe lassen jedoch Zweifel an dieser Methode angebracht sein. So weist das aktuelle Warenangebot der USA oder Deutschlands schlichtweg zu wenigen Gemeinsamkeiten beispielsweise mit dem Warenangebot im Römischen Imperium oder dem mittelalterlichen England auf, um aussagekräftige Vergleiche über die Kaufkraftentwicklung von Gold ziehen zu können.

Was jedoch außer Frage steht, ist die die hohe Werthaftigkeit von Gold in allen ökonomisch halbwegs entwickelten Gesellschaften seit der Antike, auch wenn die genaue Quantifizierung aus den genannten Gründen immer mit einem Fragezeichen versehen werden muss.

Goldpreis und Realzinsen

Seit 1971 ist es jedoch möglich, den Goldpreis unter heutigen monetären Bedingungen anzugeben und dabei zeigt sich folgender Zusammenhang: Der Goldpreis wird maßgeblich von Realzinsen für US-amerikanische Anleihen bestimmt. Als Realzinsen bezeichnet man Zinsen nach Abzug der Inflation. In den 70er Jahren waren die nominalen Zinsen in den USA zwar hoch, doch die Inflation war ebenfalls hoch und die Realzinsen deshalb minimal oder sogar negativ. Der Goldpreis konnte um viele hundert Prozentpunkte steigen.

In den 80er und 90er Jahren fielen zwar die nominalen Zinsen kontinuierlich, doch die Inflation war niedrig und hohe Realzinsen auf Anleihen machten Gold als sicherem Hafen ernsthafte Konkurrenz. Der Goldpreis verlor zwischen 1980 und 2000 einen Großteil seines Werts.

Häufig ist zu hören, dass „Gold ein guter Inflationsschutz“ sei und das ist richtig. Genauer wäre es jedoch zu sagen: „Gold ist ein guter Schutz vor Inflation, die im Bereich der realen Anleiheverzinsung oder höher liegt“.

Die Aussicht auf ein solches Szenario wird von namhaften Experten als hoch eingeschätzt, was die Vervielfachung des Goldpreises seit dem Jahr 2000 und die große Popularität von Gold als Investment (zumindest zum Teil) erklärt.

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