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Silberpreisentwicklung von 1970 bis heute

Seitdem wir in einem System der ungedeckten Fiat-Währungen leben, hat die Silberpreisentwicklung mehrere ausgeprägte und klar voneinander getrennte Phasen durchlaufen. Die Hausse der 70er, die Baisse der 80er und 90er, den Bullenmarkt der 2000er Jahre und seit 2011 eine abwärts gerichtete Kursentwicklung, von der niemand sagen kann, wie lange sie anhält. CoinInvest erläutert die einzelnen Phasen der Silberpreisentwicklung in den vergangenen Jahrzehnten.

Silberpreisentwicklung – die 70er Jahre

Legt man die Zahlen des Silbermarkts in London zugrunde, dann erreichte der Silberpreis im Mai 1970 ein Jahrestief von 1,57 Dollar. Etwa zehn Jahre später, im Januar 1980, kostete die Feinunze Silber 49,45 Dollar. Die Preisdifferenz entspricht einem Kursanstieg von 3050%. Wie war es zu dieser beispiellosen Silberpreisentwicklung gekommen?

Als einer der Hauptverursacher darf US-Präsident Richard Nixon gelten. Im Jahr 1971 kündige er die seit 1944 bestehende Konvertierbarkeit von Dollar in Gold einseitig auf. Damit waren die Gold-Deckung des Dollar und der festgelegte Goldwert von 35 Dollar je Feinunze Geschichte. Von nun an befand sich die Welt in einem System der Fiat-Währungen, die Regierungen beliebig vermehren können. Die Folge waren hohe Inflationsraten und steigende Preise für Gold, Silber und viele andere Rohstoffe. Neben der reinen laufenden Inflationsanpassung der Preisniveaus gewannen Gold und Silber auch an Attraktivität als Schutz vor erwarteten künftigen Preisverfall.

Nachdem die Silberpreisentwicklung im Februar 1974 ein vorläufiges Hoch bei 6 Dollar erreicht hatte, setzte zunächst eine ausgeprägte Korrekturphase ein. Bis zum Januar 1976 verbilligte sich das Edelmetall wieder auf 3,80 Dollar, jedoch nur, um in den folgenden Jahren einen noch viel stärkeren Preisanstieg zu vollziehen.

In den späten 70er Jahren bauten Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt eine immer größer werdende und schließlich marktbeherrschende Position am Silbermarkt auf, die sich auf ein Drittel der weltweiten Silberreserven belief. Infolge der Verknappung des Angebots durch die beiden Brüder schossen die Preise immer weiter nach oben, sehr zum Ärger von all jenen, die auf das Edelmetall angewiesen waren. Der große amerikanische Juwelier Tiffany ging so weit, Anzeigen in der New York Times zu schalten und die Silberkäufe der Brüder Hunt zu verdammen. Im Dezember 1979 erreichte die Silberpreisentwicklung 31,60 Dollar und nur wenig später, am 18. Januar 1980 schließlich das Allzeithoch bei 49,45 Dollar.

Weiter nach oben sollte es mit dem Silberpreis nicht gehen, beschlossen die Verantwortlichen am Chicago Board of Trage und der New Yorker Warenterminbörse COMEX. Die Margin Requirements, also der Anteil des hinterlegten Geldes an der Position am Silbermarkt, wurden drastisch angehoben, die maximale Anzahl an Feinunzen Silber, die ein Trader halten durfte, wurde strikt begrenzt. Reihenweise Zwangsliquidationen und ein abstürzender Kurs waren die Folgen. Im Mai 1980 erreichte die Silberpreisentwicklung ein Jahrestief von 10,89 Dollar.

Silberpreisentwicklung – die 80er und 90er Jahre

Mit dem Zusammenbruch der Übertreibungsphase in der Silberpreisentwicklung endete 1980 der große Bullenmarkt der 70er Jahre. Es folgte der lange Bärenmarkt der 80er und 90er Jahre. Einer der wichtigsten Gründe für die Baisse der Edelmetalle war die Tatsache, dass die Vereinten Staaten das Inflationsproblem in den Griff bekamen: eine Leistung, die heute vor allem Paul Volcker zugeschrieben wird. Als Vorsitzenden des Federal Reserve Systems (kurz: Fed), hob er den Leitzins in den USA 1981 auf bis zu 20% an. Die Inflationsrate fiel von 11,3% im Jahr 1979 auf 3,2% im Jahr 1983 und hat seither nur noch in wenigen Ausnahmefällen mehr als 5% betragen.

Was gut für die Besitzer von Staatsanleihen war, erwies sich als weniger günstig für alle, die Edelmetalle in ihren Depots hielten. Die Inflationsängste gingen zurück und vor die Wahl gestellt, Gold und Silber oder aber Anleihen zu kaufen, entschieden sich die meisten für die gut verzinsten Wertpapiere. Auch der ab den 80er Jahren boomende Aktienmarkt, der noch im letzten Jahrzehnt eine Phase der Stagnation durchlaufen hatte, zog immer mehr Investoren an und machte Silber vergleichsweise unattraktiv.

Zwar gab es auch im langen Bärenmarkt einzelne kurze Phasen einer deutlich steigenden Silberpreisentwicklung. Wer zum Beispiel zum Tief 1986 Silber kaufte und zum Hoch 1987 wieder verkaufte, konnte einen Gewinn von deutlich mehr als 100% verbuchen. Doch die übergeordnete Entwicklung blieb bis zur Jahrtausendwende seitlich bis abwärts gerichtet.

Silberpreisentwicklung – von 2000 bis heute

Kein Bärenmarkt währt ewig und die Silberpreisentwicklung kannte seit dem Jahrestief 2001 bei 4,07 Dollar für zehn Jahre vor allem eine Richtung: nach oben. Wie die meisten großen Bullenmärkte begann die neue Hausse in einem Umfeld völligen Desinteresses. Die Aktienmärkte waren zwar im Jahr 2000 deutlich eingebrochen und sanken bis zum Jahr 2003. Doch das führte trotz einer steigenden Silberpreisentwicklung nicht unmittelbar dazu, dass sich die Investoren massenhaft Edelmetallen zuwandten.

Die Leit- und Anleihezinsen hatten sich seit dem von Paul Volcker initiierten Hoch von 1981  zwar kontinuierlich nach unten bewegt, doch in den ersten Jahren nach 2000 warfen zum Beispiel 10-jährige US-Anleihen immer noch akzeptable, wenn auch zunehmend moderatere Renditen ab.

Mitte der 2000er Jahre wurden mit der Einführung von ETFs schließlich Investment-Vehikel an den Märkten platziert, mit denen jedermann Silber und Gold als börsengehandelte Produkte kaufen und die Edelmetalle auch kurzfristig traden konnte.

Im Jahr 2007 notierte der Silberpreis erstmals seit Jahrzehnten wieder über 15 Dollar und stieg im Jahr 2008 auf über 20 Dollar, nur um im Zuge der Finanzkrise gemeinsam mit nahezu allen anderen Anlageklassen dramatische Kursverluste zu erleiden. Ein markanter Boden wurde 2009 im Bereich von 10 Dollar gebildet. Befeuert durch massive Geldmengenausweitung der Notenbanken, ein Realzinsniveau, das nun negatives Terrain erreichte und neu erwachte Inflationsängste stieg der Silberpreis bis zum April 2011 auf 48.70 Dollar. Der höchste Stand seit 31 Jahren.

Beim Vergleich dieses Hochs mit dem Allzeithoch von 1980 sollte man aber nicht vergessen, dass es ein rein nominaler Vergleich ist, der reale Kaufkraft der ähnlichen Dollarbeträge unberücksichtigt lässt.

Um inflationsbereinigt so teuer zu sein wie 1980, hätte Silber 2011 ca. 135 Dollar kosten müssen.

Seit April 2011 ist die Silberpreisentwicklung wieder abwärts gerichtet. Manche Marktbeobachte sehen den Bullenmarkt beim Silber als beendet an und verweisen auf die bisher ausgebliebene Inflation trotz ausgeweiteter Geldmengen und auf die in den nächsten Jahren voraussichtlich steigenden Realzinsen.

Andere sehen im Kursrückgang seit 2001 eher eine Parallele zur Korrekturphase in den 70er Jahren, die lediglich den Ausgangspunkt für eine neue spektakuläre Rallye bildete. Sie verweisen auf die explosiv gestiegenen Staatsschulden der USA und anderer Staaten und auf die Tatsache, dass sich diese Länder einen nachhaltigen Anstieg der Realzinsen überhaupt leisten können. Auch die Inflationsgefahr habe sich zwar bisher nicht realisiert, sei jedoch keineswegs gebannt.

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